Männerkreis
Männerkreis
Der Männerkreis ist ein Zusammenschluss von Männern aus Unterrath/ Lichtenbroich innerhalb der Gemeinschaft katholischer Männer (GKM) im Erzbistum Köln. Neben Gesprächen soll das Gebet nicht fehlen. So erfolgt an jedem 1. Donnerstag im Monat das Abendgebet für die Gemeinde in der Kapelle von Haus St. Josef, Kürtenstraße, gegenüber der Kirche Maria unter dem Kreuze.

Thema: Tut Gott, worum ich ihn bitte? Fragen um das Bittgebet.
Diese Frage stellt sich besonders in diesen Tagen vor Christi Himmelfahrt, wo das Bittgebet bzw. Bitt-Prozessionen in den Vordergrund rücken.
Aus unserer Erfahrung stellt sich die grundsätzliche Frage: Tut Gott tatsächlich, worum ich ihn bitte? Unsere Bitten sind ja bekanntlich vielfältig z.B. dass man die Krankheit überwindet, dass die Arbeitslosigkeit endet und einen neuen Arbeitsplatz findet, dass die Ehe, die vor dem Aus steht, gerettet wird, dass die Kinder, die sich der Familie abgewandt haben, wieder zurückkehren und vieles mehr. Menschen tragen ihre ganz persönlichen Nöte, ihr Schreien, ihre Angst, ihre Verzweiflung vor Gott. Anders kann ich mir nicht erklären, warum viele Menschen in die Kirchen gehen, eine Kerze anzünden und zum Gebet verweilen, Wallfahrten unternehmen, und all das nicht erst zu unserer Zeit. Aber es bleibt doch die bohrende Frage: Tut Gott, worum ihn die Menschen bitten? Setzt er um, was an ihn herangetragen wird? Nimmt er sich der himmel-stürmenden Gebete an, die Menschen in Verzweiflung an ihn richten?
Im Evangelium nach Lukas (Abschn. 11,9) gibt Jesus eine scheinbar eindeutige Anwort: Bittet, und es wird euch gegeben, suchet, und ihr werdet finden, klopfet an und es wird euch aufgetan werden. Denn jeder, der bittet, empfängt, wer sucht, der findet und wer anklopft, dem wird aufgetan werden.
Aber stimmt das? Der Blick auf unsere Welt, auf das eigene Leben oder das vieler bekannter Menschen spricht doch eine ganz andere Sprache. Krankheiten bleiben ungeheilt, Kriege gibt es weiterhin, Beziehungen zerbrechen immer wieder, Operationen missglücken und Menschen sterben – obwohl Menschen um Gottes Hilfe und Schutz gebeten haben.
Die Antwort erscheint einfach: In der Regel tut er es nicht, in der Regel erhört er mich. Das ist doch die alltägliche Erfahrung. Viele haben längst einen Haken gemacht an den liebenden und helfenden Gott. Sie vertrauen lieber auf ihre eigenen Kräfte.
In diesem Zusammenhang habe ich kürzlich eine Zuschrift gelesen in der ein Leser schrieb: Ich glaube nicht an einen Automaten-Gott! Ich war verwundert über diese Meinung. Dieses Bild leuchtet mir aber auch ein. Der Leser hat es auf den Punkt gebracht. Bei Gott funktioniert kein Automatismus, er ist kein Automaten-Gott, bei dem ich eine Bitte hineinwerfe und unten kommt das gewünschte Ergebnis heraus, er ist nicht der Erfüllungsgehilfe unserer Interessen. Die für mich hilfreichste Antwort ist die folgende: Im Gebet sage ich Gott alles, was mich bewegt, was mich beglückt, alles was mich ratlos und hilflos macht. Ich sage es ihm so, wie ich es dem Ehepartner oder einem guten Freund erzähle. Da erwarte ich ja auch nicht, dass diese alle Probleme für mich lösen. Ich erwarte, dass der andere mich anhört, mich tröstet, mit mir fühlt, mich versteht, meine Hilflosigkeit mit mir aushält.Darum geht es im Gebet. Wir vertrauen uns Gott an. Wir sagen ihm, was uns bewegt, was uns dankbar macht, uns freut aber auch all das, was uns den Mut nimmt auch was uns an ihn zweifeln läßt. Darum geht es beim Beten, dass wir in lebendiger Beziehung mit Gott leben, dass wir ihn nicht anrufen wie zur Feuerwehr, sondern wie einen guten Freund, dem wir vertrauen, bei dem es uns einfach drängt, ihm zu erzählen, was uns zutiefst bewegt.
Ich meine: Im „Vater unser“ Gebet heißt es: Dein Wille geschehe. Ist das nicht die Antwort auf die Frage: Tut Gott, warum ich ihn bitte?
Klemens Steffens